Wenn Unternehmerinnen ihre Preise kalkulieren, stellt sich oft die Frage:
Was sind fixe und variable Kosten und wo liegt der Unterschied zu den Einzel- und Gemeinkosten? Und muss ich beides definieren oder ist das nicht irgendwie das selbe?
In diesem Artikel zeige ich dir, warum es wichtig ist die fixen und variablen Kosten zu unterscheiden. Und wann eine Differenzierung von Einzel- und Gemeinkosten zusätzlich sinnvoll ist.
Warum die Unterscheidung von Kostenarten so wichtig ist
Die Art, wie du Kosten einordnest, beeinflusst:
- deine Preisuntergrenze
- deinen Deckungsbeitrag
- die Frage, ob ein Produkt profitabel ist
- deine Entscheidungen zu Sortimentsgestaltung
- die Planung von Mindestmengen & Break-even
- deine Preisstrategie
Wenn du hier sauber arbeitest, wirst du:
- bessere Preise setzen
- unwirtschaftliche Produkte schneller erkennen
- Rabatte klüger beurteilen
- und langfristig deutlich profitabler arbeiten
1. Variable Kosten – die Kosten, die pro Stück entstehen
Variable Kosten verändern sich mit der produzierten bzw. verkauften Menge.
Jedes weitere Stück verursacht zusätzliche Kosten.
Typische variable Kosten:
- Material (Rohstoffe, Zutaten, Komponenten)
- Verpackung und Etiketten
- Versand (Porto, Karton, Füllmaterial)
- Transaktionsgebühren (Shop, Zahlungsanbieter)
- Lohnkosten, wenn sie direkt pro Stück anfallen (z. B. externe Stickerei, Druck)
- Fremdleistungen, die ausschließlich für dieses Produkt entstehen
Kurz gesagt:
Alles, was nur entsteht, wenn das Produkt produziert oder verkauft wird, gehört zu den variablen Kosten. Diese Kosten bilden den Kern der kurzfristigen Preisuntergrenze und werden z. B. in der Deckungsbeitragsrechnung genutzt.
2. Fixkosten – die Kosten, die jeden Monat anfallen
Fixkosten fallen an, unabhängig davon, wie viel du produzierst oder verkaufst.
Sie verändern sich nicht pro Stück, sondern sind die Grundkosten deines Betriebs.
Typische Fixkosten kleiner Unternehmen:
- Miete / Raumkosten
- Versicherungen
- Buchhaltung, Steuerberater
- Software & Tools
- Maschinen, Abschreibungen
- Grundgehalt oder Unternehmerlohn
- Weiterbildung
- Shop- und Hostingkosten
Fixkosten sind entscheidend für die langfristige Preisuntergrenze. Um dauerhaft profitabel zu arbeiten, müssen diese Kosten durch die Summe aller Deckungsbeiträge gedeckt werden.
3. Einzelkosten vs. Gemeinkosten – was ist das?
In der klassischen Kostenrechnung unterscheidet man:
Einzelkosten → einem einzelnen Produkt direkt eindeutig zuordenbar
z. B. Material, spezielle Fremdleistungen, Verpackung
Gemeinkosten → nicht direkt einem Produkt zuordenbar
z. B. Miete, Software, Versicherungen, Marketing
Wann nutze ich Einzel- und Gemeinkosten und wann fixe und variable Kosten?
In der klassischen Kostenrechnung unterscheidet wir zwei Achsen:
- Einzelkosten vs. Gemeinkosten → Welche Kosten kann ich direkt einem Produkt zuordnen? Diese Aufteilung finden wir in jedem Kalkulationsschema und deren Begrifflichkeit (Gemeinkostenzuschlagsatz).
- Variable vs. fixe Kosten → Ändert sich der Betrag mit der produzierten Menge? Diese Begriffe finden wir z. B. in der Deckungsbeitragsrechnung, manchmal noch mit weiterer Aufschlüsselung (z. B. Produkt-fixe-Kosten).
Das wichtige: Fixe Kosten sind nicht immer Gemeinkosten und variable Kosten nicht immer Einzelkosten!
Große Unternehmen nutzen tatsächlich beide Achsen gleichzeitig. Denn
- die Kostenstrukturen sind komplexer und wollen/müssen differenzierter auswertbar sein,
- Preise müssen genauer kalkuliert werden, da kleine Ungenauigkeiten bei großen Mengen einen großen Einfluss haben
- und der Fall, dass Einzelkosten nicht gleichzeitg variabel sind oder Gemeinkosten nicht gleichzeitig fix sind ist deutlich häufiger.
Warum die Doppelunterscheidung für kleine Unternehmen wenig Nutzen bringt
Kleine Marken haben:
- überschaubare Kostenstrukturen
- wenige Produkte
- oft geringe Stückzahlen
- keine komplizierten Abteilungen oder Maschinenstunden
- keinen Bedarf an getrennten Gemeinkostenzuschlägen für jede Produktlinie
In der Praxis heißt das:
Wenn du versuchst, deine Kosten in Einzel- und Gemeinkosten und fixe und variable Kosten aufzuteilen, machst du dir mehr Arbeit, ohne ein genaueres oder besseres Ergebnis zu erhalten.
Die zusätzliche Differenzierung führt also nicht zu besseren Preisen.
Sie macht die Kalkulation nur unnötig kompliziert.
Deshalb empfehle ich für kleine Unternehmen:
Arbeite konsequent mit fixen und variablen Kosten – und nutze diese Einteilung gleichzeitig für die gesamte Kalkulation.
Das heißt konkret:
- Variable Kosten = alles, was pro Stück anfällt / gleichgesetzt mit Einzelkosten
- Fixkosten = alles, was monatlich unabhängig von der Menge anfällt / gleichgesetzt mit Gemeinkosten
Diese Einteilung ist eindeutig, leicht zu verstehen, direkt anwendbar, kompatibel mit der Deckungsbeitragsrechnung und ausreichend für professionelle Kalkulation und Preisstrategie. Und das Wichtigste: Sie ersetzt für kleine Unternehmen die Einzel-/Gemeinkosten-Trennung vollständig, ohne Informationsverlust.
Heißt das, dass Einzel- und Gemeinkosten unwichtig sind?
Nein — sie sind ein Teil der klassischen Kalkulationslogik.
Aber: Sie sind ein anderes Sortiersystem, nicht „wichtiger“ oder „besser“. Mit zunehmender Komplexität der Kosten, bei großen Unternehmen mit hohen Stückzahlen ist die Aufteilung wichtig.
Für kleine Unternehmen ist es völlig ausreichend, wenn sie verstehen:
- Einzelkosten sind meist auch variable Kosten
- Gemeinkosten sind meist auch fixe Kosten
Warum der Preis dein größter Hebel für Umsatz und Gewinn ist.
Preiswissen ist eine Geheimwaffe – leider wird Pricing in Ausbildung und Studium vernachlässigt, dabei hat kaum etwas mehr Einfluss auf Umsatz und Gewinn. In Kombination mit Preispsychologie können wir noch mehr Wirkung erzielen.
Vergiss nicht:
Gewinn = (Preis * Menge) – Kosten
Richtig kalkulieren hat somit enormen Einfluss auf Umsatz und Gewinn. Gleichzeitig hat der Preis auch Einfluss auf die Menge – was den Preis als Hebel für deinen Umsatz und Gewinn noch größer macht.



