Die Deckungsbeitragsrechnung gehört zu den wichtigsten betriebswirtschaftlichen Werkzeugen, die kleine Marken kennen sollten. Sie zeigt dir nicht nur, ob ein Produkt rentabel ist, sondern hilft dir dabei, bessere Preisentscheidungen zu treffen, dein Sortiment zu steuern und die wirtschaftliche Stabilität deines Unternehmens zu sichern.
Trotzdem wird die Deckungsbeitragsrechnung im Alltag vieler kleiner Marken kaum genutzt – oft, weil sie komplizierter klingt, als sie ist. In diesem Übersichtsartikel erfährst du, warum der Deckungsbeitrag so wertvoll ist, wie er berechnet wird und welche Fragen du damit beantworten kannst. Spätere Beiträge können hier tiefer einsteigen.
1. Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag (DB) zeigt dir, wie viel Geld nach Abzug der variablen Kosten von deinem Verkaufspreis übrig bleibt, um:
- deine Fixkosten zu decken und
- Gewinn zu erwirtschaften.
Formel: Deckungsbeitrag pro Stück = Verkaufspreis – variable Kosten
Damit ist der Deckungsbeitrag DER zentrale Indikator dafür,
- ob sich ein Produkt lohnt,
- wie tragfähig dein Preis ist und
- ob dein Geschäftsmodell funktioniert.
Der DB ist also keine „theoretische Kennzahl“, sondern eine direkte Aussage darüber, wie viel jedes verkaufte Produkt tatsächlich zum Unternehmenserfolg beiträgt.
2. Warum ist die Deckungsbeitragsrechnung so wichtig?
Der Deckungsbeitrag zeigt dir ein vollständigeres Bild deiner Wirtschaftlichkeit:
- Er zeigt, wie viel du pro Verkauf wirklich verdienst. Nicht Umsatz ist entscheidend, sondern der Betrag, der nach variablen Kosten übrig bleibt.
- Er hilft dir, profitable Produkte zu erkennen. Manche Topseller bringen kaum DB – andere verkaufen sich weniger, sind aber extrem margenträchtig.
- Er zeigt dir die Preisuntergrenze. Du siehst sofort, bei welchem Preis du noch keinen Verlust machst.
- Er ist Grundlage für den Break-even. Mit DB kannst du berechnen, wie viele Stück du monatlich verkaufen musst, um deine Fixkosten zu decken.
- Er hilft dir bei Preisentscheidungen. Rabatte, Preiserhöhungen, neue Produkte, Auslistungen – alles hängt am DB.
- Er entlastet dein Unternehmen. Produkte, die keinen Deckungsbeitrag liefern, können das gesamte Geschäftsmodell instabil machen.
Kurz gesagt:
Der Deckungsbeitrag ist die wichtigste Kennzahl für wirtschaftliche Entscheidungen im Produktbusiness.
3. Die Grundlagen: Fixe und variable Kosten richtig unterscheiden
Die Deckungsbeitragsrechnung basiert auf der Unterscheidung zwischen:
Variable Kosten
Kosten, die mit jeder produzierten oder verkauften Einheit steigen.
Beispiele:
- Material
- Verpackung
- Versand & Versandmaterial
- Zahlungsgebühren
- externe Produktionsschritte
- stückbezogene Arbeitszeit
Fixkosten
Kosten, die unabhängig von der Absatzmenge anfallen.
Beispiele:
- Miete
- Versicherungen
- Software & Tools
- Marketingbudget
- Grundgehalt / Unternehmerlohn
- Abschreibungen
- Buchhaltung, Steuerberatung
Wichtig für Marken:
Je klarer du deine variablen Kosten kennst, desto präziser ist deine Preisuntergrenze und desto besser kannst du deine Produkte steuern.
4. Wie du den Deckungsbeitrag berechnest
Die Berechnung ist einfach – entscheidend ist die richtige Datengrundlage.
1. Verkaufspreis festhalten
z. B. 30 €
2. Variable Kosten pro Stück erfassen
z. B. Material 6 €, Verpackung 1 €, Versand 4 €, Gebühren 1 € → 12 €
3. Deckungsbeitrag berechnen
DB = 30 € – 12 € = 18 €
Dieses Ergebnis bedeutet:
Jede verkaufte Einheit bringt 18 €, um Fixkosten zu decken und Gewinn zu erzielen.
5. Was du aus der Deckungsbeitragsrechnung herauslesen kannst
Der Deckungsbeitrag ist nicht nur eine Zahl – er beantwortet eine ganze Reihe zentraler Fragen.
Deckt mein Produkt meine Fixkosten?
Wenn der DB pro Stück hoch genug ist, trägt das Produkt aktiv zur Stabilität deines Unternehmens bei.
Frage 2: Wo liegt meine Preisuntergrenze?
Kurzfristig: bei den variablen Kosten
Langfristig: bei dem Preis, der genug DB liefert, um Fixkosten zu decken
Frage 3: Wie viele Stück muss ich verkaufen, um Break-even zu erreichen?
Break-even-Menge = Fixkosten ÷ DB pro Stück
Eine essenzielle Info, um Ziele realistisch zu planen.
Frage 4: Lohnt sich ein Rabatt – oder zerstört er die Marge?
Du siehst, ob nach einem Rabatt noch ein positiver DB bleibt.
Frage 5: Welche Produkte sind meine Renner – und welche meine Penner?
Produkte mit geringem DB, aber hohem Aufwand → oft „Pennerprodukte“.
Produkte mit hohem DB → margenstark, wertvoll.
Frage 6: Welche Produkte sollte ich auslisten?
Ein negativer DB bedeutet:
Du zahlst drauf – jedes. einzelne. Mal.
Frage 7: Wie wirkt sich eine Preiserhöhung aus?
Weil sich die variablen Kosten nicht verändern, steigt der DB oft überproportional → enormer Gewinnhebel.
6. Fazit: Deckungsbeitragsrechnung als Schlüssel für ein stabiles Business
Die Deckungsbeitragsrechnung ist kein optionales Werkzeug – sie ist die Grundlage eines wirtschaftlich gesunden Produktbusiness. Sie zeigt dir:
- ob Preise tragfähig sind
- ob Produkte rentabel sind
- wie viele Stück du verkaufen musst
- wie sich Rabatte oder Preiserhöhungen auswirken
- welche Produkte du weiterentwickeln oder streichen solltest
Wer den Deckungsbeitrag versteht, trifft bessere Preisentscheidungen, arbeitet profitabler und baut ein nachhaltiges Unternehmen auf – unabhängig von Trends, Konkurrenz oder Zufall.
Preiswissen ist Macht.
Und die Deckungsbeitragsrechnung ist einer der wichtigsten Bausteine dafür.
Weiterführende Informationen zu diesen Themen.
Mehr über Preisuntergrenzen findest du in diesem Artikel.
Mehr dazu, was die Deckungsbeitragsrechnung alles kann.
Weitere Details zu variablen und fixen Kosten, sowie der Abgrenzung zu Einzel- und Gemeinkosten findest du hier.



