Preise im Produktlebenszyklus: Wie du von der Einführung bis zur Auslistung richtig planst

Der richtige Preis ist kein einmaliger Wert, sondern das Ergebnis eines kontinuierlichen Entscheidungsprozesses.
Produkte verändern sich im Laufe der Zeit – sie werden eingeführt, wachsen, reifen und irgendwann vom Markt genommen. Genauso verändert sich auch der Preis entlang des Produktlebenszyklus.

Wer Preise einmal festlegt und nie wieder anpasst, verschenkt oft Potenzial – oder gefährdet die Rentabilität.
In diesem Artikel erfährst du, wie der Produktlebenszyklus aufgebaut ist, welche Preisstrategien in den einzelnen Phasen sinnvoll sind und wie du mit Rabatten gezielt arbeitest, ohne den Wert deiner Marke zu schwächen.


Was ist der Produktlebenszyklus?

Der Produktlebenszyklus beschreibt die wirtschaftliche Entwicklung eines Produkts von der Markteinführung bis zur Auslistung.
Er basiert auf der Beobachtung, dass jedes Produkt typischerweise verschiedene Phasen durchläuft, die sich in Absatz, Umsatz, Gewinn und Marktbedeutung unterscheiden.

Er lässt sich in fünf klassische Phasen unterteilen:

Jede dieser Phasen stellt unterschiedliche Anforderungen an das Marketing, die Produktion und insbesondere die Preisgestaltung.

1. Einführungsphase – der Start am Markt

In dieser Phase wird das Produkt neu am Markt eingeführt. Die Bekanntheit ist gering, die Kosten sind hoch (z. B. durch Entwicklung, Verpackung, Marketing) und die Absatzzahlen meist noch niedrig.
Das Ziel ist es, erste Kund:innen zu gewinnen, Vertrauen aufzubauen und Marktanteile zu sichern.

Mögliche Preisstrategien:

Abschöpfungsstrategie (Skimmingstrategie)

Das Produkt wird mit einem hohen Einführungspreis angeboten, um zunächst die zahlungsbereiten, innovationsaffinen Kund:innen („Early Adopters“) zu bedienen.
Der Preis kann später schrittweise gesenkt werden, um breitere Zielgruppen zu erreichen.

Diese Strategie ist sinnvoll, wenn:

Beispiel:
Eine kleine Naturkosmetikmarke bringt ein exklusives Anti-Aging-Serum mit besonderen Inhaltsstoffen auf den Markt.
Ein hoher Einführungspreis signalisiert Qualität und Innovation – die Zielgruppe ist bereit, dafür zu zahlen.

Penetrationsstrategie (Marktdurchdringung)

Das Produkt wird mit einem niedrigen Einführungspreis angeboten, um schnell Marktanteile zu gewinnen und den Bekanntheitsgrad zu steigern.
Sobald sich das Produkt etabliert hat, kann der Preis schrittweise erhöht werden.

Diese Strategie ist sinnvoll, wenn:

Beispiel:
Eine junge Marke bringt handgemachte Duftkerzen auf den Markt und startet mit günstigen Preisen, um schnell Kund:innen zu gewinnen. Nach der Etablierung wird der Preis moderat angehoben.

Umgang mit Rabatten in der Einführungsphase

In dieser Phase sind Rabatte kritisch.
Wenn du gleich zu Beginn Preisnachlässe gibst, setzt du das falsche Signal: Kund:innen lernen, dass dein Produkt „billiger“ zu haben ist.

Besser:

2. Wachstumsphase – steigende Nachfrage, wachsende Konkurrenz

Das Produkt hat sich etabliert, die Nachfrage steigt deutlich, der Absatz wächst und erste Gewinne werden erzielt. Gleichzeitig treten oft neue Wettbewerber in den Markt ein.

Das Ziel dieser Phase ist es, Markenbekanntheit zu festigen, Marktanteile auszubauen und die Preisstrategie zu stabilisieren.

Mögliche Preisstrategien:

Preis-Stabilitätsstrategie

In dieser Phase ist es sinnvoll, den Preis weitgehend konstant zu halten, um Vertrauen zu schaffen und Margen zu sichern.
Zu starke Preisschwankungen könnten Kund:innen verunsichern.

Beispiel:
Die Kerzenmarke aus dem obigen Beispiel hat nun eine stabile Fangemeinde. Ein gleichbleibender Preis vermittelt Beständigkeit und Markenwert.

Wertorientierte Preisstrategie

Mit zunehmender Bekanntheit kannst du beginnen, den Preis stärker am wahrgenommenen Wert auszurichten – nicht nur an Kosten oder Wettbewerb.
Das bedeutet: Wenn dein Produkt mit steigender Markenbekanntheit mehr Vertrauen genießt, kann auch ein höherer Preis gerechtfertigt sein.

Umgang mit Rabatten in der Wachstumsphase

Rabatte können in dieser Phase zur Kund:innenbindung beitragen, sollten aber gezielt und planvoll eingesetzt werden.
Sinnvoll sind etwa:

Wichtig: Rabatte sollten immer strategisch motiviert sein – nicht aus Verkaufsdruck.

3. Reifephase – der Markt stabilisiert sich

Das Produkt hat den Höhepunkt seines Erfolgs erreicht. Absatz und Umsatz stabilisieren sich auf hohem Niveau, das Wachstum verlangsamt sich.
Der Wettbewerb ist stark, Preiskämpfe können entstehen.

Das Ziel ist es, Marktanteile zu halten, Kund:innen zu binden und Erträge zu maximieren.

Mögliche Preisstrategien

Wettbewerbsorientierte Preisstrategie

In dieser Phase orientieren sich viele Anbieter am Marktpreis.
Eine zu starke Abweichung (nach unten oder oben) kann riskant sein – nach unten schadet sie der Marge, nach oben gefährdet sie die Absatzmenge.

Segmentierte Preisstrategie

Durch Variantenbildung (z. B. unterschiedliche Größen, Editionen oder Verpackungen) kannst du verschiedene Preispunkte besetzen, ohne deine Hauptlinie zu verwässern.

Beispiel:
Die Duftkerzenmarke führt eine Premiumlinie ein, während die Standardlinie preislich stabil bleibt. So werden neue Kundengruppen erschlossen, ohne den bestehenden Preisanker zu verändern.

Umgang mit Rabatten in der Reifephase

Rabatte werden jetzt häufig genutzt, um Absatzspitzen zu erzeugen.
Aber Vorsicht: Dauerhafte oder zu häufige Rabatte können das Preisimage schädigen.
Wähle daher:

4. Sättigungsphase – wenn der Markt stagniert

Der Absatz beginnt zu sinken, der Markt ist gesättigt. Neue Kund:innen kommen kaum hinzu, viele kaufen bereits vergleichbare Produkte.
Das Ziel: Erträge sichern, Lagerbestände abbauen, Kosten optimieren.

Mögliche Preisstrategien:

Moderate Preisanpassung

Eine leicht sinkende Preislinie kann helfen, die Nachfrage zu stabilisieren.
Zu starke Preisnachlässe sind jedoch kontraproduktiv – sie mindern den Markenwert und können Preiserwartungen negativ verändern.

Produktdifferenzierung

Neue Farben, Düfte, Editionen oder Verpackungsdesigns können frischen Anreiz schaffen – oft effektiver als Preissenkungen.

Umgang mit Rabatten in der Sättigungsphase

Hier sind Rabatte oft ein sinnvolles Instrument, um:

Wichtig ist, dass Rabatte gezielt befristet sind – etwa in Form von „End-of-Season“-Aktionen oder „Limitierte Restbestände“-Kampagnen.
So bleibt der Wert des Produkts gewahrt.

5. Rückgangsphase – die Auslistung planen

Der Absatz geht deutlich zurück, das Produkt verliert an Relevanz.
Neue Trends, technische Innovationen oder verändertes Konsumverhalten verdrängen es zunehmend.

Das Ziel ist es, Restbestände abzubauen, Fixkosten zu reduzieren und Ressourcen für neue Produkte freizusetzen.

Mögliche Preisstrategien:

Abverkaufspreise / Liquidationsstrategie

In dieser Phase darf der Preis deutlich sinken – Ziel ist die rasche Bestandsreduktion.
Aber: Auch hier gilt, den Abverkauf geplant und kommunikativ gesteuert durchzuführen, um dein Markenimage nicht zu beschädigen.

Beispiel:
Anstatt einfach „50 % Rabatt“ zu kommunizieren, kannst du den Abverkauf als „Letzte Chance auf unsere beliebte Kollektion“ vermarkten.
Das wirkt kontrolliert und wertig.

Selektiver Rückzug

Nicht jedes Produkt muss gleichzeitig auslaufen.
Oft ist es sinnvoll, stark laufende Varianten länger im Sortiment zu halten und schwächere langsam auszulisten.

Umgang mit Rabatten in der Rückgangsphase

Rabatte sind hier ein legitimes Mittel, solange sie gezielt eingesetzt werden.
Aber auch hier gilt: Der Abverkauf sollte das Ende eines Produktzyklus markieren, nicht das Standardinstrument der Preissteuerung sein.

Wie du Preise über den Lebenszyklus hinweg strategisch steuerst

Ein professionelles Preismanagement bedeutet, den Preis als dynamischen Faktor zu verstehen.
Die Kunst liegt darin, den richtigen Preis zur richtigen Zeit zu setzen – und dabei das Zusammenspiel von Kosten, Nachfrage, Wettbewerb und Markenimage im Blick zu behalten.

Hier einige Praxisempfehlungen:

Fazit: Preismanagement ist Lebenszyklusmanagement

Preise sind kein statisches Element – sie entwickeln sich gemeinsam mit deinem Produkt und deinem Markt.
Wer den Produktlebenszyklus versteht, kann Preise gezielt steuern, statt nur zu reagieren.

Wenn du deine Preise strategisch entlang des Lebenszyklus steuerst, schaffst du nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern auch Vertrauen in deine Marke – weil deine Preisgestaltung nachvollziehbar, professionell und konsistent ist.

Kurz gesagt: Erfolgreiches Pricing ist nie Zufall – es ist das Ergebnis kluger Planung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

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